Am 10.06.2016 hat die WGG gemeinsam mit interessierten Bürgern einen Ausflug nach Heringen in Nordost-Hessen, nahe der Grenze zu Thüringen unternommen. Unser Ziel war, wir wollten – bevor wir unsere Idee weiter vorantreiben, uns mit eigenen Augen einen Eindruck eins chlorfreien Freibades verschaffen. Das ist uns gelungen und – wir waren begeistert.

Zu Beginn hatten wir eine sehr interessante Gesprächsrunde mit Hans Ries, dem Bürgermeister von Heringen im Rathaus der Stadt.

Im Anschluß fuhren wir zum Fritz Kunze Bad und konnten während der Führung, geleitet von Herrn Ries und eines kompetenen Bademeisters uns in vollem Umfang informieren. Hierfür nochmals unseren herzlichen Dank an Herrn Ries und seine Mannschaft.

Unsere Führung begann am „Strand“, führte über die teilweise holzbeplankte Umfassung des Schwimmbecken in den überraschend kleinen Technikraum. Wir machten uns einen Eindruck über die Wasserqualität, nahmen Nichtschwimmer-, Schwimmerbereich und Sprunganlage unter die Lupe und waren angenehm überrascht, über die gelungene Umsetzung des Umbaus eines alten Freibades mit ausschließlich rechteckigem Becken in in ein sehr variabel nutbares wunderschönes Freibades, mit 4 x 25m-Bahnen, 3 verbliebenen 50m-Bahnen und einem freizeitgerechten Nichtschwimmerbereich, der wie ein Sandstrand anmutet.

Alles in Allem sind wir nun erst richtig davon überzeugt, dass auch Griesheim ein Freibad solchen Typs gut zu Gesicht stünde.

Hier noch einmal in Kurzfassung unserere Erkenntnisse:

Vorteile eines chlorfreien Freizeitbades gegenüber klassischer chemischer Wasseraufbereitung:

Der wohl wichtigste Vorteil zuerst: Es ist Chlorfrei! Kein Brennen in den Augen. Keine Allergierisiken. Ein chlorfreies Schwimmbad ist wird völlig frei von Chemie geklärt. Anstatt technischer Filteranlagen wird ein s.g. Biofilter verwendet: Eine Kies-Schilffläche, plus ein mineralischer Phosphatfilter.  Diese Art, Wasser zu klären wird auch in kommunalen Kläranlagen erfolgreich eingesetzt und ist in der Lage, die Keimzahl des Badewassers niedriger zu halten, als bei anderen Reinigungsmethoden, auch bei hoher Besucherzahl und hohen Außentemperaturen.

Die (Um)Baukosten sind um bis zu 1/3 eringer, als bei herkömmlicher (Chlor-)Technik! Gründe dafür sind u.A.: das Becken wird mit Folie abgedichtet, was günstiger ist als Fliesen oder Edelstahl, auch später im Unterhalt. Der Aufwand an technischen Installationen sind wesentlich geringer, da nur Pumpen uns Rohre zu installieren sind. Filteranlagen, Chemiezuführungen- und Einrichtungen zur Kontrolle und der dafür notwendigen Betriebssicherheit entfallen fast gänzlich.

Die Betriebskosten sind geringer! Dies u.A. weil der ganze Aufwand mit der Chemie entfällt. Zur Badeaufsicht können auch Rettungsschwimmer der DLRG eingesetzt werden. Die permanente Anwesenheit eines voll-ausgebildeten Bademeisters ist nicht mehr nötig, weil nur diese die Sicherheitsunterweisungen im Falle eines Chlorunfalls führen müssen. Dadurch können längere Öffnungszeiten auch günstiger und flexibler realisiert werden. Auf eine Heizung konnte bei Bädern dieser Bauart verzichtet werden, da durch die dunklere Färbung der Folie, aber auch über die Rieselfläche des Biofilters eine Erwärmung durch Sonnenenergie gegeben ist.

Die Gestaltungsfreiheit ist höher! Durch den Wegfall der Chemie können andere Materialien im Beckenbereich verbaut werden. Beispielsweise ist der Einsatz von Holz möglich, aber auch Sand, oder andere chlorenmpfindliche Materialien sind denkbar.

Der Freizeitwert ist wesentlich höher! Denn ein Besuch eines solchen Naturbades ist wie ein kleiner Urlaub. Das Schwimmbad erscheint nicht wie eine technische Notwendigkeit, vielmehr kann – je nach Gestaltung – es fast den Charakter eines Badesees haben. Dies würde auch neue Zielgruppen anlocken, so Herr Ries. In Heringen kommen über 50% der neuen Besucher aus dem näheren Umland.

Die Nutzung als Sportbad ist gegeben! Die Bedürfnisse zur Nutzung für sportliche Zwecke von Vereinen und Schulen ist duch die chlorfreie Technik in keinster Weise eingeschränkt.

Nachteile:

Algenbewuchs des Beckens! Durch den Wegfall der Chemie werden Grünalgen den gesamten Beckenbereich besiedeln. Dieser Algenbewuchs ist eigentlich ein Zeichen für die hervorragende Wasserqualität, ist aber für manche Leute erst einmal ungewohnt. In Heringen, so berichtete Bürgermeister Ries, kamen bei einigen Bürgern diesbezüglich große Bedenken auf. Allerdings haben sich diese Bedenken nach einiger Zeit wieder zerstreut. „Es ist halt erst einmal ungewohnt“, sagte Herr Ries. In Heringen wird der Beckenboden von einem Reinigungsgerät gesäubert, die Beckenwände müssten jedoch per manueller Arbeit gereinigt werden. Dies ist aber kein Muss, denn in NRW gäbe es Gemeinden, die die Algen einfach wachsen ließen, und die Besucher haben auch das lieben gelernt.

Der Bio-Filter benötigt Platz! Und davon haben wir am Standort des alten Griesheimer Freibades nicht viel. Eine Verkleinerung der Liegewiese für den Bio-Filter ist keine gute Lösung, aber die Filterfläche kann auch in einiger Entfernung zum Schwimmbecken errichtet werden. Denkbar wäre die Nutzung der Grünanlage der Carlo-Mierendorf-Schule, oder die Flächen der ungenutzten Tennisanlage auf dem angrenzenden TUS-Gelände, aber das bedürfe gründlicher Planung. Sollte aber unsere Idee, das Freibad an einem ganz anderen Standort neu zu errichten – beispielsweise auf den Konversionsflächen im Süden von Griesheim – wäre nicht nur der Platzbedarf des Bio-Filters kein Problem. Wir hätten dort auch gleichermaßen das Parkplatzproblem des alten Freibades gelöst. Dem bedarf aber noch viel Überzeugungsarbeit.

Impressionen des chlorfreien Freibades in Heringen:

Übrigens haben wir diese Fahrt genutzt und ein kleines Programm angehängt.

Am Abend übernachteten wir in Bad Salzungen um am nächsten Tag in das Erlebnisbergwerk Merkers einzufahren. Den kurzen Bericht davon können Sie hier nachlesen. Fotos gibts auch …

(DO)

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