Warum wir jetzt mutig neue Wege gehen müssen

Der jüngste Bericht von Revierförster Michael Göbel in der Sitzung des Umweltausschusses am 28.10.2026 hinterlässt tief empfundene Betroffenheit. Die Bilanz des Hitze- und Dürresommers 2026 macht in aller Deutlichkeit sichtbar, in welch kritischem Zustand sich unser Stadtwald befindet. Sämtliche Baumarten und Altersstufen stehen unter extremem Stress. Dass das eigentliche Absterben der Bäume – wie schon nach den Dürrejahren 2018 und 2019 – erst zeitversetzt in den kommenden Jahren voll durchschlagen wird, erfüllt uns mit großer Sorge um unser wichtigstes Naherholungs- und Ökosystem.

Ein Wald im Zangenangriff extremer Standortbedingungen

Die Schilderungen aus der Forstpraxis veranschaulichen die Dramatik vor Ort: An der Autobahn sterben Kiefern im Staatswald flächig innerhalb kürzester Zeit ab. Besonders erschütternd ist der Zustand der Ersatzaufforstung am Triesch. Dort zeigt ein 2010 gepflanzter Eichen-Mischwald, der bislang als außerordentlich stabil galt und auf nährstoffreichem Boden steht, seit diesem August massive Absterbeerscheinungen. Im Griesheimer Erholungswald kommen erschwerend spezifische Standortfaktoren hinzu: Der Untergrund auf einer reinen Sanddüne sowie der Befall durch Maikäfer-Engerlinge, welche die feinen Wurzeln der Bäume fressen, machen Nachpflanzungen zu einer extremen Herausforderung.

Fehlende Orientierung durch die Wissenschaft

Besonders nachdenklich stimmt eine zentrale Aussage des Revierförsters: Es gibt derzeit schlichtweg keine gesicherten wissenschaftlich fundierten Prognosen darüber, wie die Lebensbedingungen und Waldstrukturen im Hessischen Ried im Jahr 2050 oder 2100 aussehen werden. Das Klima verändert sich rascher, als dass Forschung und Praxis auf langjährige Erfahrungswerte zurückgreifen könnten. Weder die Heimischkeit bisheriger Baumarten noch die vorsichtige Beimischung mediterraner Arten bieten eine Garantie für das Überleben des Waldes in den kommenden Jahrzehnten.

Unser politischer Auftrag: Mut zu unkonventionellen Lösungen

Gerade weil verlässliche wissenschaftliche Modelle fehlen, müssen wir der ausdrücklichen Anregung des Vortragenden folgen. Revierförster Göbel betonte, wie wertvoll es ist, dass Griesheim der Fragestellung unvoreingenommen und „open minded“ begegnet. Er ermutigte die Lokalpolitik, diesen Weg des Ausprobierens und der Geduld beizubehalten.

Als Wählergemeinschaft Griesheim (WGG) sehen wir hierin unseren klaren Handlungsauftrag. Starres Festhalten an traditionellen Konzepten oder das Warten auf universelle Patentrezepte helfen unserem Wald nicht weiter. Wir müssen auf kommunalpolitischer Ebene bereit sein, alternative und ungewöhnliche Lösungsansätze aktiv zu unterstützen:

  • Experimentierfreude fördern: Erfolgreiche Ansätze wie das Projekt der Eselbeweidung zur Wiederbewaldung sowie neuartige Sponsoring-Pflanzungen mit vielfältigen Baumarten müssen weiter vorangetrieben werden.
  • Ergebnisoffenheit bewahren: Wir müssen Mut beweisen, schrittweise neue Methoden und resilientere Mischformen zu testen, auch wenn deren Erfolg erst nach Jahrzehnten bewertet werden kann.
  • Verantwortungsvolle Gestaltung: Waldschutz erfordert einen langen Atem über Generationen hinweg. Wir dürfen uns von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Der Wandel unseres Stadtwalds lässt sich nicht von heute auf morgen aufhalten. Aber wir können und müssen die Weichen so stellen, dass wir flexibel, ideologiefrei und offen für neue Ideen handeln. Die WGG wird sich im Parlament und in den Ausschüssen weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, unserem Stadtwald durch mutige politische Entscheidungen eine Zukunft zu geben.