Griesheim im Jahr 2050

Nachlese zum 6. und letzten Sommerstammtisch der WGG in 2018

Am Donnerstag 06.08.2018 konnte Walter Keller, der Vorsitzende der WGG-Fraktion, in der Reihe der politischen Sommerstammtische der WGG im Jahr 2018 erneut an die 20 Teilnehmer begrüßen.

Für diesen Abend, so Keller einleitend, habe sich die WGG vorgenommen, in die Zukunft Griesheims zu schauen. Etwa das Jahr 2050 solle der Bezugsrahmen sein: „Wir wollen uns der Frage stellen, was uns da wohl erwartet? Welche Weichen muss die Politik heute stellen, damit Griesheim dann auch noch lebenswert ist? Was wünschen wir, was wünschen sich unsere Besucherinnen und Besucher für Griesheim?“

Um ein solides Diskussionsfundament zur Verfügung stellen zu können, hatten sich die beiden WGG-Stadtverordneten Dirk Olten und Nathalie Hefermehl in der Vorbereitung auf den Abend eingehend mit entsprechenden Studien der Bertelsmanns-Stiftung beschäftigt, insbesondere mit deren Analysen und Prognosen zur demographischen Entwicklung, zur Entwicklung des Arbeitsmarktes, der Bevölkerungswanderungen und der Verkehrsentwicklung in der Region Darmstadt-Dieburg.

Wie Dirk Olten zusammenfassend ausführte, würden alle diese Studien der Stadt Griesheim eine prosperierende Zukunft bescheinigen. Grund dafür sei die Lage Griesheims am Rande einer Metropolregion. Griesheim profitiere von dem seit 2016 deutlich erkennbaren Trend in Richtung „Reurbanisierung“: je größer die Stadt, desto mehr Menschen wanderten dorthin. Durch „Binnenzuwanderung“ profitierten dann auch Umlandgemeinden wie Griesheim, wo das Leben ähnlich lebenswert, jedoch um einiges kostengünstiger als beispielsweise in Darmstadt sei. Griesheim werde somit sowohl als Gewerbestand- wie auch als Wohnort für Familien mit überdurchschnittlichem Einkommen künftig interessant bleiben. Hohen Steuereinnahmen auf Seiten der Kommune, bei einigermaßen konsequentem Flächenmanagement und einer nicht bloß passiven Gewerbeansiedlungspolitik zu einem Gutteil aus Gewerbesteuern, stünden auf der anderen Seite nur relativ geringe Sozialausgaben gegenüber.

Bezüglich der Bevölkerungsentwicklung, so Olten, bedeute dies, dass das absolute Wachstum auf Jahrzehnte hinaus anhalten werde, vor allem durch den Zuzug von Familien und jüngeren Erwerbstätigen. Zugleich nehme jedoch auch der Anteil älterer Bewohner zu, so dass das Durchschnittsalter in den nächsten 15-20 Jahren von aktuell 45 auf dann 48 Jahre ansteigen werde.

Im Anschluss an Dirk Oltens Referat moderierte Nathalie Hefermehl eine kreative Ideenfindungs-Runde, an der sich alle Anwesenden rege beteiligten. Im Rahmen dieses Workshops äußerten sie zahlreiche Wünsche, Ideen und Visionen zum Thema „Griesheim 2050“. Das Gros der Diskussionsbeiträge galt hierbei stadtplanerischen Themen.

Übereinstimmend wurde geäußert, dass in den letzten Jahrzehnten hier zu wenig passiert sei und dass es an einem ausformulierten Leitbild als Richtschnur für die Bauleitplanung mangele. In einem nächsten Schritt müsstne dringend die städtebauliche Kompetenz der Stadtverwaltung und das Stadtmarketing weiter verbessert werden, um nicht die Gunst der eingangs geschilderten Trends wieder zu verspielen.
Als allgemein akzeptiertes Entwicklungsziel wurde eine offene, zum Verweilen einladende Stadt genannt: Griesheim als „Treffpunkt für Alle“, durch Einbindung aller Stadtbereiche. Zur Erreichung dieses Ziels müssten zum Beispiel mehr Grünflächen entstehen, die sich als Aufenthaltsort qualifizierten. Bestehende Spielplätze seien verstärkt zu pflegen. In der Innenstadt sollten sich mehr Geschäfte ansiedeln. Zudem werde die Lösung der innerörtlichen verkehrlichen Probleme eine anhaltend große Herausforderung bleiben.
Unterschiedliche Meinungen zeigten sich zu der Frage, wie und wo eine Verdichtung städtebaulich bewältigt werden könnte.

Hieran anknüpfend, erinnerte Dirk Olten in einem Abschlussstatement alle politisch Verantwortlichen Griesheims parteiübergreifend daran, dass ihre heutigen Entscheidungen das Leben der Griesheimer Bürger auch im Jahr 2050 noch beeinflussen werden. Vor diesem Hintergrund sollten Entscheidungen des Stadtparlamentes keinen „Schaufenstercharakter“ haben und auch keine „Insellösungen“ darstellen. Was Griesheim brauche, sei eine weise und vorausschauende Stadtplanung, die sämtliche Fachrichtungen integriere, um das Optimale zu erreichen.

Walter Keller, der Vorsitzende der WGG, konnte die Veranstaltung pünktlich schließen und bedankte sich bei allen Beteiligten für die stets regen und engagierten Diskussionsbeiträge. Er kündigte an, dass die sehr gut angenommene WGG-Gesprächsreihe auch im kommenden Jahr wieder eine Neuauflage erfahren werde.

(wk/nh/do)